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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Zwei Beispiele für grüne Wirkstoffe


Dass die Entwicklung von grünen Arzneimittelwirkstoffen grundsätzlich möglich ist, lässt sich an zwei Beispielen illustrieren. Das Zytostatikum 5-Fluorouracil (5-FU) erweist sich in verschiedenen standardisierten Tests als nicht biologisch abbaubar. Gleichzeitig lässt sich zeigen, dass die biologische Schlüsselkomponente von 5-FU, das sogenannte "Uracil", leicht biologisch abbaubar ist. Das 5-FU-Molekül unterscheidet sich vom Uracil- Molekül jedoch lediglich im Hinblick auf ein Fluoratom an seiner Ringstruktur. Offenbar hat also das Fluoratom einen negativen Einfluss auf die biologische Abbaubarkeit von 5-FU. Dieser Zusammenhang wird auch durch einen Vergleich mit den strukturell ähnlichen, nicht fluorierten Zytostatika Gemcitabin und Cytarabin bestätigt. Beide sind in denselben Tests sehr viel besser biologisch abbaubar als 5-FU. Entscheidend ist nun aber, dass Gemcitabin und Cytarabin im Vergleich zu 5-FU gleichzeitig verbesserte Anwendungseigenschaften aufweisen.

Die Zytostatika Ifosfamid und Glufosfamid stellen ein weiteres Beispiel dar. Glufosfamid ist sehr viel besser biologisch abbaubar als Ifosfamid. Gleichzeitig hat Glufosfamid bessere Anwendungseigenschaften als Ifosfamid – es wird im Darm besser aufgenommen und ist verträglicher. Glufosfamid wurde aus Ifosfamid in einem gezielten Entwicklungsprozess durch eine entsprechende Modifizierung der Molekülstruktur gewonnen: Das aktive Wirkprinzip wurde beibehalten, der Rest des Moleküls wurde verändert, indem Zuckermoleküle angehängt wurden. Interessant ist dabei, dass je nach Art des Zuckermoleküls sowohl die Wirksamkeit und auch die biologische Abbaubarkeit unterschiedlich sind. Glufosfamid hat optimale Anwendungseigenschaften und ist gleichzeitig in herkömmlichen Kläranlagen sehr gut abbaubar. Auch wenn das ursprüngliche Ziel dabei die Verbesserung der Anwendungseigenschaften war, zeigt sich auch hier, dass optimale Funktionalität und gute Abbaubarkeit keine Gegensätze sein müssen.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

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Stand 12.02.2009