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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Forschung und Entwicklung


Die pharmazeutische Industrie ist in hohem Maße wissensbasiert. Es ist daher notwendig, auch die Forschung außerhalb der Branche selbst zu adressieren. Die staatliche Forschungsförderung sollte spezielle Förderprogramme zur Entwicklung von grünen Arzneimittelwirkstoffen auflegen, die sich besonders an Hochschulen und unabhängige Forschungseinrichtungen wenden. In ihrem Fokus könnte die Weiterentwicklung bekannter Arzneimittelwirkstoffe mit schlechten Umwelteigenschaften zu grünen Produkten stehen. Ein weitergehendes Element solcher Programme kann die Gründung eines speziellen Instituts für "Nachhaltige Pharmazie" sein.

Damit Arzneimittelhersteller eine grüne Produktpolitik aufnehmen, muss nicht nur ihre technische, sondern auch ihre betriebwirtschaftliche Machbarkeit gewährleistet sein. Eine Bewertung der aufgelegten Förderprogramme muss daher vor allem die Frage beantworten, inwieweit das Kriterium "Bessere Umwelteigenschaften" therapeutisch viel versprechende Wirkstoffe von der weiteren Entwicklung ausschließt und damit die Innovationsfähigkeit der Unternehmen beschneidet. Ein Ergebnis der Programmbewertung sollte eine Liste mit erfolgreich etablierten Fallbeispielen sein. Mit dieser Vorstellung von "Best Practice" kann bei Arzneimittelherstellern für eine grüne Produktpolitik geworben werden.

Die schnelle Verbreitung der neuen Gestaltungsprinzipien für grüne Wirkstoffe in Forschung und Entwicklung erfordert einen starken Impuls. Die Einrichtung eines Schwerpunkts "Nachhaltige Pharmazie" in der Hochschulforschung könnte ein solcher Impuls sein. Der Schwerpunkt würde einschlägige Fachdisziplinen wie die medizinische, pharmazeutische und organische Chemie sowie die Umweltchemie und Umwelthygiene vernetzen, um die Bedeutung des gesamten Lebenszyklus eines Wirkstoffs auch strukturell in den Fokus zu rücken. Seine Einrichtung könnte beispielsweise durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der aktuellen Maßnahme "Die Pharma-Initiative für Deutschland" erfolgen. Eine Abstimmung mit Fördermaßnahmen im Bereich der nachhaltigen Chemie, die sich etwa auf die Optimierung von Syntheseprozessen richten, ist dabei empfehlenswert.

Die finanzielle und praktische Beteiligung der pharmazeutischen Industrie an der Einrichtung, Umsetzung und Bewertung von Förderprogrammen und Forschungsschwerpunkten ist anzustreben, da hier das Praxiswissen zu erforderlichen Stoffeigenschaften im Hinblick auf eine spezifische Anwendung und zu den bestimmenden Faktoren bei der Auswahl von Wirkstoffkandidaten vorliegt. Bei einer direkten Beteiligung könnten zudem grüne Wirkstoffstrukturen, die im Rahmen der Programme entwickelt wurden, von den Unternehmen unmittelbar bis zur Marktreife weiterentwickelt werden.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009