Inhaltsverzeichnis

Zurück zum Kapitel

 

 

 

 

 

 

 

HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Problembewusstsein im beruflichen Alltag von Ärztinnen und Apothekern


In ausführlichen Interviews mit Ärztinnen und Ärzten (keine representative Auswahl) wurde deutlich, dass bei ihnen Umweltaspekte im Zusammenhang mit der Einnahme und Entsorgung von Arzneimitteln überwiegend gar nicht bekannt waren oder im beruflichen Alltag keine Rolle spielten. Beklagt wurde das Fehlen von gesicherten Informationen über das Vorkommen einzelner Wirkstoffe in Gewässern und ihre negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Um zu einer Veränderung des Problembewusstseins zu gelangen, muss daher Ärzten eine Meinungsbildung ermöglicht werden, die ihrem beruflichen Selbstverständnis als Naturwissenschaftler entspricht, das heißt sie sollte diskursiv und nicht in vorgegebenen Bahnen verlaufen. In den Gesprächen traten überdies Vorbehalte gegenüber Maßnahmen zur Problemlösung hervor: Es wurde die Befürchtung geäußert, dass andere Ziele außer der Heilung in den Mittelpunkt rücken oder weitere Vorschriften den ärztlichen Handlungsspielraum einengen könnten. Veränderungen des professionellen Verhaltens, die zu einem umweltfreundlicheren Umgang mit Arzneimitteln beitragen, sollten deshalb auf der eigenen Entscheidung der Ärztinnen und Ärzte basieren.

Apothekerinnen und Apotheker beklagen einen zunehmenden Anerkennungsverlust als wichtige Akteure innerhalb des Gesundheitssystems. Gründe dafür sind der wachsende Medikamentenhandel und die zunehmenden medizinischen Beratungsangebote im Internet. Gleichzeitig sehen sie sich aufgrund ihrer Ausbildung als die eigentlichen Spezialisten für die inhaltliche Bewertung von Arzneimitteln. Deshalb nehmen sie Gewässerbelastungen durch Arzneimittelwirkstoffe als ein Thema ernst, das eine grundsätzliche Nähe zu ihrem Kompetenz- und Verantwortungsbereich aufweist. Dies haben entsprechende Gruppendiskussionen im Rahmen von start ergeben. Sie verweisen auf Zahlen zu Arzneimittelabfällen und eigene Erfahrungen, dass nur ein Bruchteil der Altarzneimittel in den Apotheken abgegeben wird. Die Notwendigkeit zu vorsorgendem Handeln wird von ihnen ausdrücklich anerkannt und mitgetragen. Ihren eigenen Handlungsspielraum bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sehen Apothekerinnen und Apotheker jedoch im Wesentlichen auf das Angebot zur sachgemäßen Entsorgung beschränkt. Auf dem wachsenden Markt der frei verkäuflichen Präparate könnten aus ihrer Sicht jedoch Beratungsleistungen, die auch weitergehende Umweltaspekte einschließen, von besonderer Bedeutung sein.

zurück zum Kapitel

 

 

 

Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

Impressum
Stand 12.02.2009