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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Vermeidung von Arzneimittelabfällen


Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherungen erfahren derzeit kaum, welche Kosten ihr Arzneimittelverbrauch jährlich verursacht. Diese fehlende Kostentransparenz führt nach allgemeinen Erkenntnissen in einem staatlich organisierten Versorgungssystem zum Phänomen des sogenannten "Moral Hazard". Bei der Arzneimittelversorgung bedeutet dieses Phänomen: Patientinnen und Patienten sammeln Arzneimittel durch Doppelverordnungen auf Vorrat an, ohne sie tatsächlich zu verbrauchen. Ein Teil dieser Arzneimittel wird dann irgendwann nicht mehr benötigt und muss als Abfall entsorgt werden. Wie repräsentative Untersuchungen in start gezeigt haben, wählt ein nicht unerheblicher Teil der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger dafür den Ausguss oder die Toilette. Maßnahmen, die zur Vermeidung von Arzneimittelabfällen führen, tragen somit indirekt zur Gewässerentlastung bei.

Freiwillige Maßnahmen, die zu einem besseren Kostenbewusstsein führen sollen, wie etwa die sogenannte "Patientenquittung" (Leistungs- und Kosteninformation), sind bisher von den Patientinnen und Patienten kaum angenommen worden. Wirkungsvoller könnte hier die zu erwartende Einführung der Gesundheitskarte sein. Indem verordnete und tatsächlich beanspruchte Arzneimittelmengen wirkstoffspezifisch gespeichert werden, ist es dem Arzt möglich, die Patientin auf Mehrfachverschreibungen für dieselbe Indikation hinzuweisen. Ein solches Feedback hat im Verbund mit einer quartalsweisen Arzneimittelkosteninformation für die Versicherten das Potenzial, Verhaltensänderungen anzustoßen und so therapeutisch nicht notwendige Verschreibungen zu reduzieren. Voraussetzung für die Umsetzung einer solchen Maßnahme ist die Absprache zwischen den ärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen sowie eine Modifikation der Organisationsabläufe in den Arztpraxen.

Das erweiterte Angebot von Medikamenten in variablen Packungsgrößen kann ebenso helfen, Arzneimittelabfälle zu vermeiden. Wie auch die Ärzteinterviews in start bestätigt haben, hat sich die Problematik therapieunangepasster Packungsgrößen in den letzten Jahren entschärft. Gerade bei chronischen Krankheiten fehlt es jedoch nach wie vor an kleinen Starterpackungen, die zur Überprüfung der Verträglichkeit verschrieben werden können. Eine unverpackte Einzelportionierung etwa von Tabletten, wie in den USA möglich, wird sowohl von Ärztinnen als auch von Apothekern unter Hygiene- und Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten als nicht zweckmäßig eingestuft. Besonders für Krankenhäuser kann eine Einzelauszeichnung dennoch sinnvoll sein. Indem beispielsweise jeder Tablette auf dem Blister Name, Chargennummer, Verfallsdatum und ein Code zum schnellen und einfachen Ausdruck der Gebrauchsinformation zugeordnet wird, können Restbestände sicher weiterverwendet oder von Ärztin oder Arzt an bedürftige Patienten abgegeben werden – eine heute durchaus übliche, wenn auch nicht zulässige Praxis.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009