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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Wie arbeiten Kläranlagen und Wasserwerke heute?


Um Spurenverunreinigungen und andere Problemstoffe aus dem Abwasser zu entfernen, verfügen Kläranlagen in Deutschland in der Regel über eine mechanische und eine biologische Klärstufe. Größere Anlagen sind zusätzlich mit einer Stufe zur Entfernung von Nitraten und Phosphaten ausgestattet. Die biologische Klärstufe basiert auf dem sogenannten "Belebtschlammverfahren". Dabei wird Abwasser in einem Becken gesammelt, durchmischt und belüftet. Als Folge des Stoffwechsels der im Abwasser vorhandenen Mikroorganismen entstehen Schlammflocken, in denen dann der eigentliche Reinigungsprozess stattfindet, das heißt organische Verbindungen werden darin durch Mikroorganismen biologisch abgebaut. Eine zusätzliche Rückhaltung erfolgt, je nach den physikalisch-chemischen Eigenschaften der Substanzen, durch Anlagerung an Schwebstoffe im Schlamm. In einem Nachklärbecken wird der Belebtschlamm von dem so behandelten Abwasser getrennt und teilweise in das Belebungsbecken zurückgeführt. Der überschüssige Schlamm wird zum Beispiel thermisch verwertet oder in der Landwirtschaft als Dünger eingesetzt. Forschungsergebnisse zeigen, dass Arzneimittelwirkstoffe aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften mit diesem Verfahren oft gar nicht oder nur teilweise aus dem Abwasser entfernt werden können.

Ziel der Trinkwasserversorger in Deutschland ist die naturnahe Aufbereitung ihres Rohwassers, das heißt Trinkwasser soll möglichst ohne den Einsatz aufwändiger umwelttechnischer Verfahren gewonnen werden. Voraussetzung dafür ist eine entsprechend gute Rohwasserqualität. Unter anderem durch die zunehmende Verwendung von Chemikalien in den letzten Jahrzehnten ist dieses Ziel jedoch zu einer immer größeren Herausforderung geworden. Wasserwerke, die Grundwasser fördern, begegnen dieser Herausforderung durch Maßnahmen zum Schutz ihres Einzugsgebiets (zum Beispiel die Einrichtung von Schutzzonen und Absprachen mit der Landwirtschaft). Wo dies nicht möglich ist, wird ein Mindestmaß an Aufbereitungstechnik eingesetzt. Der Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen stellt die Werke jedoch nicht nur wegen der spezifischen Stoffeigenschaften vor besondere Probleme, sondern auch, weil es aus physikalischen Gründen prinzipiell schwieriger ist, bereits sehr kleine Konzentrationen durch technische Verfahren weiter zu verringern. Besonders betroffen sind davon Wasserwerke, deren Rohwasser aus Oberflächenwasser stammt (siehe Seite 10). Sie setzen daher zum größten Teil zusätzlich Aktivkohle (oft gekoppelt mit Ozonierung) ein, um organische Spurenverunreinigungen aus dem Rohwasser möglichst weitgehend zu entfernen. Es ist davon auszugehen, dass zumindest die Wasserwerke entlang des Rheins in der Regel über diese Technik verfügen. Genaue Zahlen zur Verbreitung des Verfahrens in ganz Deutschland sind öffentlich nicht verfügbar.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009