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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Erweiterte Verfahren der Abwasserreinigung: Was leisten sie?


Im Rahmen von start wurde auf Basis des derzeitigen Forschungsstands eine umfassende Bewertung von innovativen Verfahren vorgenommen, die für eine erweiterte Abwasserbehandlung in Frage kommen. Dazu gehören Membran-Bioreaktoren, Adsorptionsverfahren mit Pulveraktivkohle, Ozonierung und Photooxidation. Übergreifendes Ergebnis der Bewertung ist, dass keines der betrachteten Verfahren alleine in der Lage ist, das bekannte Spektrum von Arzneimittelwirkstoffen vollständig aus dem kommunalen Abwasser zu entfernen.

Kläranlagen, die testweise mit einem Membran-Bioreaktor ausgestattet wurden, können nur selten bessere Leistungen bei der Entfernung von Arzneimittelwirkstoffen erzielen als konventionelle Anlagen. Abhängig vom untersuchten Wirkstoff werden zumeist nicht mehr als 50 Prozent eines Stoffes zusätzlich aus dem Abwasser entfernt. Dies haben erste Untersuchungen mit Pilotanlagen ergeben. Pulveraktivkohle, die dem Abwasser nach der biologischen Reinigungsstufe zugesetzt wird, erweist sich dagegen als deutlich wirksamer: In Versuchsanlagen konnten durch dieses Verfahren Arzneimittelrückstände im Abwasser insgesamt um bis zu 80 Prozent verringert werden. Zur Leistungsfähigkeit der Photooxidation liegen bislang noch keine belastbaren Daten vor. Erste Versuche mit stark belasteten Industrieabwässern zeigen viel versprechende Ergebnisse. Bei diesem Verfahren besteht jedoch weitergehender Forschungsbedarf. Die Ozonierung erweist sich ebenfalls als effektives Verfahren zur Entfernung von Arzneimittelrückständen. Allerdings bildet sich bei diesem Prozess eine Vielzahl von komplexen Reaktionsprodukten, über deren Toxizität zumeist nichts bekannt ist – ein Problem, das beim Einsatz dieser Technik besonders berücksichtigt werden sollte.

Eine Möglichkeit, Verunreinigungen gar nicht erst oder deutlich vermindert in das kommunale Abwasser einzutragen, bieten nachhaltige Sanitärsysteme. Sie basieren auf einer Trennung von Abwasserteilströmen am Ort ihrer Entstehung. Solche Teilströme sind im Haushalt das Brauchwasser (zum Beispiel zur Reinigung und Körperpflege) und das Toilettenabwasser, das weiter in Gelbwasser (bezogen auf den Urinanteil) und Braunwasser (bezogen auf den Faecesanteil) getrennt werden kann. Da die Konzentrationen der Arzneimittelwirkstoffe im unvermischten Toilettenabwasser höher sind, können die verfügbaren Reinigungstechniken – wie zum Beispiel Membranbioreaktoren, aber auch Vergärungsverfahren – hier effektiver eingesetzt werden. Nach einer derart optimierten Reinigung der Teilströme am Entstehungsort können sie dann entweder in das kommunale Kanalnetz eingeleitet oder direkt wiederverwendet werden (Schließung lokaler Wasserkreisläufe). Von besonderer Bedeutung sind solche Systeme, weil sie sich mit nachhaltigen Techniken kombinieren lassen. Dazu gehören die Energiegewinnung aus Vergärungsprozessen im Braunwasser und die Rückgewinnung von endlichen und bereits knappen Ressourcen wie Phosphor aus dem Urin.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009