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HANDLUNGSMÖGLICHKEITEN

Verringerung von Wirkstoffeinträgen in das kommunale Abwasser


Die Einführung nachhaltiger Sanitärsysteme bietet sich mittel- bis langfristig für Neubausiedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete, Bürogebäude, Gebäude mit öffentlichen Toiletten, Autobahnraststätten und Flughäfen an. In solchen Gebäudekomplexen lassen sich Speicherkapazitäten für die Abwassermengen gemeinschaftlich einrichten, wobei Managementkonzepte für ihre gesteuerte Entleerung und eine entsprechende Infrastruktur zur Aufbereitung der Abwasserströme eingerichtet werden müssten. Idealerweise sollten diese Systeme mit einer Rückgewinnung von Nährstoffen wie Phosphor und Kalium und Verfahren zur Energiegewinnung aus den Abwasserteilströmen gekoppelt werden. Dadurch kann auch ihre Akzeptanz und Durchsetzungsfähigkeit bei Investoren gesteigert werden. Nach dem heutigen Stand der Technik lassen sich die Systeme so gestalten, dass die am Ort ihrer Entstehung gereinigten Abwässer entweder direkt dort wiederverwendet (dezentrale Lösung) oder anschließend in das kommunale Kanalnetz eingeleitet werden (semi-zentrale Lösung). Bei einer langfristig weiträumigen Realisierung kann auf diese Weise der Eintrag von Arzneimittelwirkstoffen und anderen Spurenverunreinigungen in das kommunale Abwasser deutlich verringert werden.

Eine separate Erfassung und Behandlung von Abwasserteilströmen bietet sich grundsätzlich auch für Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen an. Da diese Eintragsquellen jedoch maximal 10 bis 20 Prozent der jährlich in die kommunalen Abwässer entlassenen Gesamtmenge an Arzneimittelwirkstoffen ausmachen, sollte ihre Ausstattung mit entsprechenden Systemen aus Kostengründen nicht generell gefordert werden. Für Einrichtungen, bei denen besonders hohe Konzentrationen an problematischen Wirkstoffen wie Zytostatika oder Antibiotika im Abwasser gemessen werden, ist die getrennte Erfassung und Behandlung des Toilettenabwassers vor seiner Einleitung in das Kanalnetz jedoch sinnvoll. Dadurch kann kurz- bis mittelfristig das kommunale Abwasser punktuell entlastet werden. Dass derartige Systeme praxistauglich sind und eine effektive Entfernung von Arzneimittelwirkstoffen leisten, konnte in Pilotversuchen demonstriert werden. Dabei wurde ein Behandlungsverfahren eingesetzt, das aus einer Sedimentationsstufe und anschließender Ozonierung besteht. Inwieweit sich eine solche Maßnahme besonders bei alten Gebäuden bautechnisch ohne unzumutbare Beeinträchtigungen des Betriebs umsetzen lässt, ist im Einzelfall zu prüfen. Bei Krankenhausneubauten ist sie grundsätzlich zu empfehlen – entsprechende Richtlinien dazu sind bereits in einem Merkblatt der Abwassertechnischen Vereinigung der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (ATV-DVWK) aus dem Jahr 2001 formuliert.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009