Inhaltsverzeichnis

Zurück zum Kapitel

 

 

 

 

 

 

 

UMSETZUNGSPERSPEKTIVEN

Handlungsfeld "Emissionsmanagement in der Siedlungswasserwirtschaft"


Die Perspektiven für eine Umsetzung von Handlungsmöglichkeiten in diesem Bereich hängen wesentlich von der Beantwortung der Frage ab, wie die technischen Optionen einer erweiterten Abwasserbehandlung an den kommunalen Kläranlagen in einer umfassenden Bewertung abschneiden. An einer entsprechenden Klärung sollte daher mit Nachdruck gearbeitet werden. Unabhängig vom Ergebnis der Bewertung gibt es jedoch Aspekte, die bei der Diskussion um Lösungen im kommunalen Abwasserbereich kritisch betrachtet werden sollten. Bei Städten mit Abwasser-Mischsystemen wird häusliches und gewerbliches Abwasser mit Regenwasser zusammengeführt. Im Falle einer Überlastung der Kanalisation oder der Rückhaltehaltebecken durch Starkregen wird das Abwasser unbehandelt in die Gewässer geleitet – ein Ereignis das sich wegen des Klimawandels in einigen Regionen in Zukunft häufen könnte. Vor einer aufwändigen Aufrüstung von Abwassersystemen sollte die Relevanz dieser Eintragsquelle gezielt untersucht und gegebenenfalls Lösungen zu ihrer Schließung erarbeitet werden.

Zudem sollte bei der Entscheidungsfindung für eine erweiterte Abwasserbehandlung bedacht werden, dass die Beschränkung auf den Einsatz eines einzigen Verfahrens das damit effektiv behandelbare Stoffspektrum möglicherweise kritisch begrenzt. So würde beispielsweise die Fokussierung auf Pulveraktivkohle vorrangig das Problem von Arzneimittelwirkstoffen lösen, die sich aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften gut an die Kohlepartikel anlagern. Es gibt jedoch andere Wirkstoffe, wie etwa das Röntgenkontrastmittel Amidotrizoesäure, die sich mit diesem Verfahren nur schwer aus dem Wasser entfernen lassen. Die Akzeptanz einer in jedem Fall kostenintensiven Aufrüstung von Kläranlagen würde in der Bevölkerung erheblich leiden, wenn trotz des erhöhten Aufwands Arzneimittelwirkstoffe und andere Spurenverunreinigungen in die Gewässer gelangen. Überdies ist nicht auszuschließen, dass neue Stoffe, die erst in der Zukunft in die Abwässer gelangen, Eigenschaften haben, die sie gegen die gewählte Behandlungstechnik "unempfindlich" machen. Diesem Problem wäre vermutlich nur mit einer Kombination von Verfahren zu begegnen – was mit einer weiteren Kostensteigerung verbunden wäre. In der Konsequenz bedeutet dies insgesamt: Vorsorgende Maßnahmen zum Trinkwasserschutz durch die Wasserwerke bleiben zumindest mittelfristig unverzichtbar.

Eine Konzentration auf Kläranlagen und die zentrale Abwasserentsorgung wirft aber auch grundsätzliche Fragen auf. Denn nach Ansicht vieler Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen steht die Siedlungswasserwirtschaft vor einem Paradigmenwechsel, der vom zentralen System weg hin zu Stoffstromseparation und teilräumlicher Abwasserbehandlung führt. Auch wenn sich eine effektive und zugleich kostengünstige Lösung bei den Kläranlagen identifizieren lässt, ist die schrittweise Umsetzung von Handlungsmöglichkeiten im Bereich nachhaltiger Sanitärsysteme zukunftsweisend. Dies entspricht dem Prinzip, die Verunreinigungen an der Quelle zurückzuhalten und öffnet zudem Handlungsspielräume für eine nachhaltige Entwicklung (Energiegewinnung aus Abwasser und Recycling von knappen Ressourcen wie Phosphor aus dem Urin). Als realistischste Perspektive zeichnet sich im Bereich des Emissionsmanagements eine standortabhängige Kombination von Maßnahmen zur Verringerung von Gewässerbelastungen ab. Bei der Umsetzung von Maßnahmen sollten trinkwasserrelevante Gewässer Vorrang haben.

Eine Abschätzung der dabei anfallenden Kosten ist derzeit kaum möglich, da zudem im Hinblick auf die Einrichtung nachhaltiger Sanitärsysteme die Berechnungsgrundlage fehlt (wie viele Neubauten in welchem Zeitraum an welchen Standorten). Allenfalls für die Ausstattung von Krankenhäusern mit einer Anlage zur Aufbereitung des separat erfassten Toilettenabwassers lassen sich gesicherte Orientierungswerte angeben: Für Einrichtung und Betrieb ist mit jährlichen Kosten in der Größenordnung von 10.000 Euro zu rechnen – wobei standortabhängige Investitionen für einen Umbau der Leitungssysteme zur Trennung der Abwasserteilströme nicht berücksichtigt sind.

zurück zum Kapitel

 

 

 

Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

Impressum
Stand 12.02.2009