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UMSETZUNGSPERSPEKTIVEN

Geteilte Verantwortung statt Verursacherprinzip

Die bisherigen Überlegungen deuten bereits an, dass eine umfassende Lösung des Problems nicht in einem Handlungsfeld allein liegen kann. Selbst wenn alle Handlungsmöglichkeiten in einem Feld ausgeschöpft würden, ließen sich damit nicht alle Stoffe und alle Einträge erreichen. Diese Einschätzung erhärtet sich, wenn Fragen der Verursachung und Verantwortung diskutiert werden. Formal betrachtet liegt die Ursache des Problems im Gesundheitssystem: Hier werden die Arzneimittelwirkstoffe zur Behandlung von Krankheiten und zur Prävention eingesetzt und schließlich auf dem einen oder anderen Weg in die Umwelt entlassen. Im Sinne des Verursacherprinzips könnte argumentiert werden: Die Kosten einer Verringerung von Gewässerbelastungen durch Arzneimittelwirkstoffe sind vom Gesundheitssystem zu tragen. In der Tat kann davon ausgegangen werden, dass gerade wenn es um die Umsetzung umwelttechnischer Lösungsstrategien geht, der damit verbundene Transfer der Umweltkosten aus dem Gesundheitssystem in die Siedlungswasserwirtschaft als Verletzung des Verursacherprinzips gewertet werden wird – was zumindest die Akzeptanz gegebenenfalls auch rechtlich gebundener Maßnahmen in diesem Bereich beinträchtigen würde.

Mehr Akzeptanz lässt sich erreichen, wenn von vornherein das Gesundheitssystem in eine Gesamtlösung eingebunden wäre und damit auch ein Teil der Kosten mittragen würde. Die bisher diskutierten Handlungsmöglichkeiten zum Umgang mit Arzneimitteln sind so angelegt, dass dieser Effekt vermutlich erreicht würde, ohne dabei einem System, das ohnehin an seiner finanziellen Belastungsgrenze angekommen ist, untragbare Lasten aufzubürden. Wenn gleichzeitig die pharmazeutische Industrie sichtbare Anstrengungen unternimmt, die unerwünschten Folgewirkungen ihrer Produkte in den Gewässern durch die Entwicklung von umweltverträglichen Wirkstoffen zu reduzieren, entsteht Handlungsspielraum für eine gemeinsame Anstrengung zu einer nachhaltig wirksamen Verringerung von Gewässerbelastungen und damit möglicherweise einhergehenden Gefahren für Mensch und Umwelt. Denn schließlich profitieren alle Bürgerinnen und Bürger sowie professionelle Akteure in den unterschiedlichen Bereichen von Arzneimitteln und sind gleichzeitig durch ihr Verhalten Mitverursacher des Problems. Seine Lösung sollte daher in gemeinsamer Verantwortung auf Basis des Vorsorgegedankens erfolgen.

 

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

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Stand 12.02.2009