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Ausblick

Mit der Umsetzung der ausgewählten Handlungsmöglichkeiten kann ein wirkungsvoller Anfang für ein gemeinsames und vorsorgendes Vorgehen zur Verringerung von Gewässerbelastungen durch Arzneimittelwirkstoffe gemacht werden. Ihr Potenzial liegt darin, dass vielfach keine weitreichenden bereichs- und sektorübergreifenden Absprachen erforderlich sind. Beispielsweise kann eine Anpassung der Hochschulausbildung zunächst an einzelnen Standorten erfolgen. Eine innovative Universität könnte mit Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft einen Forschungsschwerpunkt zur Weiterentwicklung von Methoden eines grünen Moleküldesigns einrichten und so Impulsgeber für andere Hochschulen werden. Auch eine Standardsetzung für nachhaltige Sanitärsysteme kann alleine von den zuständigen Fachverbänden initiiert werden. Ähnlich ist es denkbar, dass einzelne Akteure im Gesundheitssystem – Landesärztekammern, Apothekerverbände oder Krankenkassen – gezielte Diskurs- und Informationsangebote für ihre Mitglieder entwickeln. Unmittelbares Handeln ist also an vielen Stellen möglich. Die Wirkung wird aber entscheidend davon abhängen, dass möglichst viele Aktivitäten gleichzeitig anlaufen. Nur dann sind gegenseitige Motivations- und Verstärkungseffekte möglich, die zu einer Verstetigung des Prozesses führen.

Sicherlich erfordern einige der ausgewählten Maßnahmen eine tiefer gehende Abstimmung zwischen mehreren Akteuren und einen entsprechend langen Atem, bis sich Erfolge einstellen. Dazu gehört besonders die Einführung einer Umweltklassifikation für Humanarzneimittel. Sie kann vermutlich nur im Rahmen eines mehrjährigen Stakeholder- Dialogprozesses und durch Unterstützung eines starken Treibers wie dem Umweltbundesamt erreicht werden. Aus diesem Grund wird es für den Erfolg eines gemeinsamen Vorgehens ausschlaggebend sein, dass sich verschiedene Ressortpolitiken auf Bundes- und Länderebene proaktiv an der Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen beteiligen. "Proaktiv" kann dabei jedoch nicht bedeuten, dass die staatliche Politik generell den Anstoß gibt. Indem sie sich des Themas "Trinkwasser- und Gewässerbelastungen durch Arzneimittelwirkstoffe" verstärkt in einer Lösungsperspektive annimmt, sollte sie vielmehr die betroffenen Akteure gezielt bei der Wahrnehmung von Handlungsmöglichkeiten unterstützen.

Wasser ist ein besonderes Lebensmittel, dem unsere besondere Sorge gelten sollte. Die Erfahrungen der Vergangenheit im Umgang mit stofflichen Risiken haben gezeigt, dass nachsorgende Problemlösungen die Gesellschaft zumeist teurer zu stehen kommen als frühzeitiges, vorsorgendes Handeln. Wird Vorsorge im Sinne von geteilten Verantwortlichkeiten von allen beteiligten Akteuren betrieben, können nicht nur die "Irrtumskosten" minimiert, sondern sogar Potenziale für soziale und technische Innovationen erschlossen werden. Die in start entwickelten Handlungsperspektiven weisen in diese Richtung. Schließlich gilt: Der Handlungsspielraum im Umgang mit Gewässerbelastungen durch Arzneimittelwirkstoffe ist heute noch groß genug, um aus alten Fehlern zu lernen.

 

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

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Stand 12.02.2009