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WISSENSSTAND

In welchen Konzentrationen kommen die Stoffe in den Gewässern vor?


Eine hohe Verbrauchsmenge ist ein Hinweis auf das verbreitete Vorkommen eines Wirkstoffs in Gewässern. Entsprechend werden besonders häufig schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Diclofenac und Ibuprofen, Antibiotika wie Roxythromycin und Sulfamethoxazol, Antiepileptika wie Carbamazepin und Primidon und Antihypertonika wie Metoprolol und Sotalol in nahezu allen Oberflächengewässern Deutschlands gefunden. Hinzu kommt eine weitere Gruppe von Substanzen, die streng genommen keine Medikamente sind, sondern zu den sogenannten "Diagnostika" gehören: Röntgenkontrastmittel wie Iopromid oder Amidotrizoesäure. Die in Gewässern gemessenen Konzentrationen liegen im Mittel im Bereich von wenigen Milliardstel bis zu einigen Millionstel Gramm pro Liter ("Nano-" beziehungsweise "Mikrogramm" pro Liter). Zur Illustration: Löst man einen Würfel Zucker im Berliner Wannsee auf, ergibt sich eine Zuckerkonzentration in der Größenordnung von einem Nanogramm pro Liter.

In Deutschland wurden bisher über 100 verschiedene Wirkstoffe in Gewässern nachgewiesen. Diese Zahl sagt zunächst nicht, dass die Übrigen der rund 3.000 auf dem deutschen Markt verfügbaren Wirkstoffe in der Umwelt nicht vorkommen. Vielmehr kann es sein, dass für einen bestimmten Wirkstoff entweder die technischen Möglichkeiten seines Nachweises fehlen oder dass er im menschlichen Körper soweit abgebaut wird, dass hauptsächlich seine Stoffwechselprodukte ausgeschieden werden. Deren Struktur ist jedoch in der Regel nicht bekannt, sodass sie der umweltanalytischen Beobachtung entgehen können. Wegen verschiedener natürlicher Abbauprozesse (biologisch durch Mikroorganismen und photochemisch durch Sonneneinstrahlung) oder durch Anlagerung an Schwebstoffe und Sedimentpartikel liegen die Wirkstoffkonzentrationen in Flüssen und Seen in der Regel deutlich höher als im Grundwasser.* Grundwasservorkommen können besonders dann betroffen sein, wenn sie in der Nähe von Oberflächengewässern liegen.

* Aufgrund der Reinigungswirkung der Bodenschichten gelangt nicht jeder Wirkstoff, der im Oberflächenwasser vorkommt, auch ins Grundwasser. Andererseits können Humanarzneimittelwirkstoffe durch Leckagen im Kanalsystem, undichte Mülldeponien und die Aufbringung von Klärschlamm auf landwirtschaftliche Nutzflächen auch direkt in das Grundwasser eingetragen werden.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009