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WISSENSSTAND

Kommen Rückstände von Arzneimitteln im Trinkwasser vor?


Eine aktuelle Literaturstudie die im Auftrag des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen erstellt wurde, belegt das Vorkommen von bisher 15 verschiedenen Arzneimittelwirkstoffen in deutschen Trinkwasserproben. Die gemessenen Konzentrationen sind dabei mit wenigen Nanogramm pro Liter deutlich niedriger als im Oberflächen- und Grundwasser. Die zugrundeliegenden Messungen wurden jedoch nur an ausgewählten Standorten durchgeführt. Eine flächendeckende Belastung des deutschen Trinkwassers kann aus den bisher vorliegenden Erkenntnissen nicht abgeleitet werden.

Trinkwasser wird in Deutschland zu gut zwei Dritteln aus Grundwasser gewonnen. Der Rest stammt aus Oberflächenwasser (Flüsse, Seen oder Talsperren), Uferfiltrat und angereichertem Grundwasser.* Bei Uferfiltrat handelt es sich um eine in Ufernähe aus Brunnen gewonnene Mischung von Grundwasser und Flusswasser. Angereichertes Grundwasser wird – zum Beispiel im Falle von natürlichem Grundwassermangel – künstlich erzeugt, indem Oberflächenwasser über entsprechende Brunnen oder Teiche versickert wird. In beiden Fällen findet durch die Bodenpassage zumindest teilweise ein Abbau von Schadstoffen statt.

Da Oberflächenwasser und Uferfiltrat in der Regel deutlich stärker mir Arzneimittelrückständen belastet sind als das Grundwasser, besteht die Gefahr eines Durchbrechens von Wirkstoffen in das Trinkwasser eher für Wasserwerke, die diese beiden Rohwässer zur Trinkwassergewinnung nutzen und keine weitergehenden Aufbereitungstechniken wie etwa die Aktivkohlefiltration einsetzen. Ein Befund, der den Bund/Länderauschuss Chemikaliensicherheit in seiner 2003 veröffentlichten Untersuchung "Arzneimittel in der Umwelt" zu der Empfehlung veranlasst hat, den Eintrag von Arzneimittelwirkstoffen bei solchen Wasserwerken besonders zu beachten.

* Die jeweiligen Anteile schwanken von Bundesland zu Bundesland teilweise erheblich: Während im Jahr 2004 Berlin, Bremen und Hamburg ihr Trinkwasser zu 100 Prozent aus Grundwasser gewannen, lag dieser Anteil in Nordrhein- Westfalen bei lediglich 42 und in Sachsen sogar nur bei 24 Prozent.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009