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WISSENSSTAND

Wie wird das Problem in der Bevölkerung wahrgenommen?


Das Problem der Belastung von Trinkwasser mit Arzneimittelrückständen spielt in der öffentlichen Wahrnehmung bisher kaum eine Rolle. Dies haben sozial-empirische Untersuchungen im Rahmen von start ergeben. In Gruppengesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern wurde zunächst deutlich, dass weder die Tatsache nachgewiesener Trinkwasserbelastungen selbst noch der entsprechende Kausalzusammenhang allgemein bekannt ist. Wird der grundlegende Sachverhalt im Sinne einer bloßen Schlagzeile "Arzneimittelrückstände im Trinkwasser" eingeführt, sind wegen dieser fehlenden Informationen starke Reaktionen wie die spontane Ablehnung des Konsums von Leitungswasser oder auch die Abwehr der Problematik zu beobachten.

Empfindungen der Alarmierung und Bedrohung werden besonders von Frauen und chronisch Kranken geäußert. Für Frauen haben die Themen Fruchtbarkeit und Schwangerschaft eine weitaus größere Bedeutung als für Männer. Dies löst bei Stichworten wie "hormonelle Wirkungen" Befürchtungen aus, direkt betroffen zu sein. Für chronisch Kranke entsteht ein besonderer Konflikt: Da sie auf die fortdauernde und sorgfältige Einnahme von Arzneimitteln angewiesen sind, befürchten sie, dass ein sorgloser Umgang mit Medikamenten bei Anderen langfristig negative Folgen für sie selbst haben könnte. 

Werden im Gesprächsverlauf zusätzliche Informationen bereitgestellt – zum aktuellen Wissensstand und besonders zur Bedeutung der gemessenen Konzentrationen – und ein Meinungsbildungsprozess ermöglicht, werden unterschiedliche Verarbeitungsmuster erkennbar. Sie münden in Haltungen, die von Gelassenheit und der Zurückweisung von Handlungsbedarf über Relativierung und die Notwendigkeit weiterer Forschung bis hin zu Bedrohung und der Einforderung von vorsorgendem Handeln reichen. Allgemein gilt, dass Bürgerinnen und Bürger Arzneimittelrückstände im Trinkwasser nicht akzeptieren, selbst wenn damit nachweislich keine Gesundheitsgefährdungen verbunden wären.

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Humanarzneimittelwirkstoffe:

Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung

von Gewässerbelastungen
Eine Handreichung für die Praxis

(download)

 

 

 

   

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Stand 12.02.2009